zur Politik-Übersicht zu 2.2

2.3 Richard Wagners "Ring des Nibelungen" im Dritten Reich

Die Siegfried-Figur und die Nibelungen vergegenwärtigten sich nicht nur in Kommentaren und Ähnlichem, sondern wurden von Hitler und den NS- Regierungsmitgliedern auch namentlich in Bezeichnungen von SS- Truppen und Unternehmen eingebunden.

Das Angriffsunternehmen, das am 22. Juni 1941 in den Osten einfiel, um den jüdisch- bolschewistischen "Weltfeind" zu vernichten und den Deutschen neuen Lebensraum zu schaffen, wurde "Barbarossa" genannt. Diese Benennung ist auf Wagners Interpretation des Nibelungenstoffes "der Ring des Nibelungen" zurückzuführen. Sein Stück ist hauptsächlich auf Helden fokussiert, "die diesen Ehrentitel gerade wegen ihres märtyrerhaften Selbstopfers oder ihrer Todesbereitschaft zu tragen verdienen." Die heldenhafte Figur Friedrich Barbarossa ist das historische Pendant zu Siegfried, ein "kerngesunde[r] Halbgott" . Hagen hingegen machte Wagner zum Mitglied eines "Geschlecht[s] von Nibelungenjuden, und zwar als Karikaturen jüdischen Wesens". Hagen wird als egoistisch, intrigant, geldgierig und gefährlich beschrieben. In Wagners Ring des Nibelungen ist Hagen ein autonomer Charakter , der nicht mehr mit der Nibelungentreue in Verbindung gebracht wird und nur eine Absicht verfolgt: den Ring des Nibelungen in seinen Besitz zu bringen. "Er ist ebenso wenig fremdgesteuert und handelt ebenso selbstbestimmt wie bisher Siegfried und Brünhilde."

Es ist selbstredend, dass gerade Adolf Hitler ein großer Anhänger dieser Interpretation und der Person Richard Wagners an sich war. Der berühmte Komponist war bekannt für seine antisemitische Haltung, die er in seinem 1850 anonym erschienenen Werk "Das Judentum in der Musik" bekannte. Es lässt sich stark annehmen, dass Hitler in Wagners Nibelungen und anderen Stücken eine weitere Bestärkung und Rechtfertigung seines Rassenwahns fand.

Zusätzlich machte Hitler aus dem Speerwurf, mit dem Siegfried hinterlistig von Hagen ermordet wurde, eine Rechtfertigung der Judenverfolgung. Der Speerwurf, umgewandelt in den Dolchstoß und damit in die Dolchstoßlegende, war eine der Erklärungen, warum die "Weltverschwörung" der Juden unbedingt verhindert werden musste- "Für Hitler ist die Dolchstoßlegende bis zum Ende des Krieges der Vorwand, jeglichen Widerstand brutal zu unterdrücken."

Abbildung 4: Hitler als Ritter im Kampf gegen den jüdisch- bolschewistischen "Weltfeind"

zur Politik-Übersicht zu 2.2